Scholz-Hype: Der Mainstream fällt mal wieder auf jeden Unfug rein

Liest man die Überschriften der Mainstream-Medien, konnte man dieser Tage glatt den Eindruck gewinnen: Ein Wahlsieg der SPD und die Kanzlerschaft von Olaf Scholz am Wahlabend des 26. September sind zum Greifen nahe!

„Bild“ titelte: „Warum Laschet abschmiert und Scholz plötzlich glänzt“. Das Düsseldorfer „Handelsblatt“ meldete: „Scholz überholt Laschet bei Kanzlerfrage“. Die „Süddeutsche Zeitung“ legte noch eine Schaufel drauf – in der Alpenprawda „überflügelt“ der SPD-Kanzlerkandidat den Unions-Bewerber Armin Laschet (CDU) gar. Der linksgrüne „Stern“ fragte (hofft): „Wird Olaf Scholz am Ende bei der Bundestagswahl der lächelnde Dritte?“.

Dass der „Scholzomat“ drauf und dran ist, das Kanzleramt zu übernehmen, ist natürlich blanker Unsinn! Tatsächlich liegt allen diesbezüglichen Umfragen und den daraus abgeleiteten Schlagzeilen lediglich die rein fiktive Annahme einer Direktwahl des Bundeskanzlers zugrunde.

Um das Wichtigste gleich vorwegzunehmen: Schaut man sich die mehr als bescheidenen Einzelwerte aller „Kandidaten“ an, dann sagen die Ergebnisse eines mit Sicherheit aus: Keiner dieser Altparteien-Apparatschiks hätte als Kanzler(in) auch nur annähernd eine Mehrheit des Volkes hinter sich!

Sei’s drum: Wenn der Kanzler in Deutschland direkt wählbar wäre, würden sich laut Meinungsforschungsinstitut „YouGov“ gerade einmal 20 Prozent der Wähler für den SPD-Kandidaten Scholz entscheiden. Magere 15 Prozent würden CDU-Chef Laschet wählen. Den unterbietet mit 13 Prozent nur noch Annalena Baerbock („Grüne). Eine „Insa“-Umfrage kommt zu fast gleichen Zahlen.

Zu dumm nur: In Deutschland wird der Bundeskanzler nicht direkt vom Volk, sondern auf Vorschlag des Bundespräsidenten vom Bundestag gewählt. Dafür braucht er (oder sie) eine Mehrheit im Parlament. Schaut man sich die aktuellen Umfragen zu den Werten der Parteien an,  sind die SPD-Genossen und ihr Spitzenkandidat Scholz meilenweit von einer Regierungsmehrheit entfernt.

Auf Basis aller Erhebungen würde eine rot-grün-stasirote Koalition (in welcher farblichen Reihenfolge auch immer) 40 bis maximal 41 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen können. Eine Ampel-Koalition (SPD, FDP, „Grüne“) käme immerhin auf 48 Prozent, was hauchdünn für eine Regierungsmehrheit reichen könnte. Bei einer solchen Konstellation würde die Frage der Kanzlerschaft letztlich davon abhängen, wer die Nase vorn hat. Laut „Insa“ wäre unter dieser Prämisse derzeit eine SPD-geführte Koalition nicht möglich – rein theoretisch wohl aber mit einer „grünen“ Regierungschefin Baerbock. Dass es dazu kommt, erscheint eher unwahrscheinlich. FDP-Chef Christian Lindner hat bereits wissen lassen, er betrachte eine Ampel-Koalition „derzeit“ nicht als realistisch.

Von den Zahlen her realistischer wäre da schon eine sogenannte Jamaika-Koalition aus Union, „Grünen“ und Liberalen. Sie käme „Insa“ zufolge auf 58 Prozent, dicht gefolgt von einer schwarz-rot-gelben Koalition mit 57 Prozent. Andere Umfragen kommen zu ähnlichen Ergebnissen. Letztere Farbkombination wird  irreführenderweise „Deutschland-Koalition“ genannt. Polit-Insider in der Hauptstadt halten sie aktuell dennoch für die wahrscheinlichste Konstellation.

Irgendwie hat man das ungute Gefühl: Unverbesserliche Altparteien-Wähler haben auch bei dieser Bundestagswahl eigentlich nur die Wahl zwischen Pest und Cholera! (oys)

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